Zagreb

Wir fuhren in Zagreb rein, die Hauptstadt im Norden Kroatiens. Es war und ist, eine wunderschöne Stadt mit vielen alten Häusern in unterschiedlichen Farben. Sie ist riesig. Größer als erwartet. Einige Ecken erinnerten mich an Paris und München. Ich bin leider kein Architekt, darum kann ich ihnen nicht ausführlich beschreiben, wie die Häuser oder Denkmäler konstruiert waren. Dieser Umstand, sollte uns, aber nicht weiter stören, da sie keinen Architekturratgeber lesen, sondern meine Lebensgeschichte. Nun, zurück zur Geschichte. Wir kamen an einer Bushaltestelle an, als Jovan mich ansah und mir befahl auszusteigen, um nach dem Reifen zu schauen. Er würde seltsam rotieren, etwas wovon ich keine Kenntnis nahm. Dumm und naiv wie ich war, stieg ich aus, um dem Folge zu leisten. Keine Sekunde später, fuhr Jovan mitsamt allen meine Habseligkeiten weg. Ich blieb erst kurz stehen, um die Situation zu begreifen, dann rannte ich los. Doch es war schon zu spät. Er war weg. Mitsamt meinem Reisepass, meinem Handy und meinen Ersparnissen. Mir blieb nur mein Portmonee, mit fünfzehn Euro und die Sachen, die ich trug. Verzweifelt suchte ich die Polizei auf, die meinen Fall geringschätzend, zur Kenntnis nahmen und mir sagten, dass ihnen die Hände gebunden sei. Zu viele Aufträge. Ich solle Namen, Anschrift und Telefonnummer hinterlassen. Eine Option, die mich nicht gerade glücklich stimmte. Deprimiert und niedergeschlagen, kehrte ich zur Bushaltestelle zurück und setzte mich auf die Bank.

Ich wusste nicht warum ich dort hin zurückgekehrt war. Eine Stimme in mir flüsterte, dorthin zu gehen. Also, saß ich verlassen auf der Bank. Meine finanziellen Ersparnisse, hatten sich aufgelöst und gleich mit ihnen, mein Traum, die Welt zu sehen. Sollte ich all diese Dinge erlebt haben, um wirklich hier auf einer Parkbank zu enden? Was würden Carla, die Jungs oder Chris und Raquel über mich denken. Bernardo würde sicher jetzt lachen und darauf einen trinken. Ich fühlte mich, als lehnte sich die ganze Welt gegen mich auf. Angst, Reue und Zorn schäumten in mir auf. Ich verfluchte mich, dafür diese Reise überhaupt angetreten zu haben. Und fing an zu überlegen, ob das alles nicht sowieso ein armseliger Versuch war von den Problemen zu Hause wegzurennen. Von der misslungenen Beziehung zu meinen Kindern, dem eintönigen Job und der Beerdigung meines Vaters. Wieder spielten sich Bilder meiner Vergangenheit in mir ab, doch diesmal waren sie verstörend und traurig. Ich sah Megan und mich streiten, Mr. Lionel mit mir schimpfend und meinen Vater, betrunken und weinend auf dem Fußboden im Wohnzimmer kriechen. Er stammelte irgendwelches Zeug vor sich und bemerkte mich nicht mal. Mein Körper fing an zu zittern und ich bekam ein beklemmendes Gefühl. Wo sollte ich nun schlafen? Wie sollte ich meinen Magen füllen? Wie sollte ich zurück nach Amerika finden? Ich kannte die Sprache nicht einmal. Ich war verloren. Ich lehnte mich nach vorne und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Die Tränen, waren dabei mir in die Augen zu schießen, wenn nicht da, dieses Geräusch gewesen wäre. Ich beugte mich wieder hoch und hörte jemanden auf Kroatisch herumbrüllen. Ich drehte meinen Kopf in allen Richtungen, doch nirgends war jemand sichtbar. Ein Mann erschien plötzlich um die Ecke. Er trug eine rote Lederjacke, ein weißes Hemd mit einigen Flecken, eine Jeans und weiße Chucks. Zu mindestens schienen sie mal weiß gewesen zu seien. Seine braunen Haare waren hochgegellt und sein Blick benommen. Er ging schwankend und fluchend auf mich zu. Ich wollte wegrennen, doch die Angst lähmte mich. Ähnlich, wie am Anfang beim Stierlauf. Ich schrie innerlich meinen Körper an sich in Bewegung zu setzten, doch irgendwas in mir, befahl mir ruhig zu bleiben und abzuwarten. Aus der jetzigen Perspektive betrachtet, absolut dämlich. Ein Zebra, würde auch nicht seelenruhig eine Löwin beobachten, die auf sie zu gerannt kommt. Woher ich, dass weiß? Ich habe es später in der Savannah, Afrikas live beobachtet. Aber, ob Sie es glauben oder nicht, mein Körper lag goldrichtig mit seinem Kommando sitzen zu bleiben. Der Mann machte vor mir halt. Erst jetzt sah ich, dass Blut aus seiner Nase tropfte und in seiner rechten Hand eine zerbrochene Flasche lag. Er schien um die dreißig zu sein. Seine braun-grünen Augen sahen mich wutverzerrt an und er begann mich auf Kroatisch anzusprechen. Es klang wie eine Kriegserklärung. Ich wusste darauf keine Antwort, außer zu weinen, darum blieb ich stumm. Plötzlich fragte er mich auf Englisch, ob ich Natal gesehen hatte. Zu mindestens vermute ich, dass er mich, das gefragt hatte. Seine Worte waren, durch das Gesöff, stark verschwommen. Ich schüttelte den Kopf und er schrie wutentbrannt den Namen einige Male, dann wandte er sich wieder mir zu. Er meinte ich sehe stark genug aus und packte mich an der Schulter. Er zog mich hoch, sah mich betrunken an und erzählte mir, dass ich ihm jetzt helfen soll Natal, die .... zu polieren und den .... aufzureißen. Sie wissen, was ich meine! Bevor ich das Angebot auch nur ablehnen konnte, zog er mich die Straße entlang, um die Ecke. Ich ließ mich mit ziehen, obwohl ich muskulöser war und jederzeit die Möglichkeit hatte, mich zu befreien. Gleichzeitig wusste ich, aber auch, dass man seinen Gegner nie am Äußeren beurteilen darf. Eine Lektion, die ich noch einige Male, schmerzhaft lernen musste. Wir gingen einige Straßen entlang, bevor wir vor einer skurrilen Kneipe halt machten. Den Namen weiß ich nicht mehr, doch mir blieb in Erinnerung, dass allein die beschmierte Fassade und der elende Gestank, den Fluchtinstinkt in mir weckten. Der Typ zog mich, mit, die Treppe hoch und wir betraten das Lokal. Es war eine kleine und zwielichtige Spielunke. Ein paar Gestalten saßen an der Bar und tranken aus Krügen. Der große Barkeeper, selbst, sah mit seiner Glatze und den Tattoos aus, wie ein entflohener Häftling. Er blickte zu uns und spuckte in einen leeren Krug. Er schrie dem Typen irgendwas auf Kroatisch zu und er antwortete auf Englisch, dass er mit Natal nicht fertig sei. Der Barkeeper, wandte seinen Blick zu mir und fragte mich, ob ich Amerikaner sei. Aus Angst, er könnte etwas gegen Amerika haben, sagte ich, dass ich aus Spanien komme. Er knirschte die Zähne und sah mich eine Weile wütend an. Innerlich bereitete ich meinen Körper auf einen schmerzhaften Untergang vor. Doch plötzlich lächelte der Barkeeper hämisch und sagte: »Glücklicher Bastard, da wollte ich auch schon immer hin.« Entschuldigen Sie die Sprache. Jedenfalls, lachten die anderen Männer, und der Mann und ich nahmen Platz an der Theke. Der Barkeeper, wandte sich zu meinem trunkenen Kollegen und sagte, dass Mischa genug habe. Mischa, stellte sich als der Name meines Companion heraus. Mischa sah ihn entgeistert an und antwortete, Miro, das es schlechte Erziehung sei, ihm und dem Gast nichts anzubieten. Miro rollte die Augen, gab uns zwei Bier und wir stellten uns gegenseitig vor.

Miro erkundigte sich nach meinem Beweggrund, aus dem sonnigen Spanien nach Kroatien zu kommen, während Mischa nur wissen wollte, wie verdorben spanische Frauen seien. Er meinte kroatische Frauen, seien zu anstrengend und zu frech. Warum auch immer, antwortete ich mit der Wahrheit. Ich antwortete Mischa, das spanische Frauen so schön seien, wie sie temperamentvoll und stark sind, und Miro erzählte ich von der Fahrt mit Jovan und Noah, und wie er mich hier, ohne meine Sachen, abgesetzt hatte. Miro stieß wutentbrannt hervor, dass man den Serben eh nicht trauen darf. Sie seien, ein verdorbenes und hinterhältiges Volk. Eine Meinung, die ich bis heute nicht teile. Mischa stimmte ihm begeistert zu, während er sein, mein und das Bier seines Nachbars leerte. Sein Sitznachbar blieb ruhig, nachdem Miro ihm ein weiteres Bier hinstellte. Mischa begann zu erzählen, wie seine Familie heldenhaft gegen die Serben gekämpft hatte, bis Miro in unterbrach und darauf aufmerksam machte, dass Mischas Cousine heute heiraten würde. Mischa fuhr entgeistert auf und fragte Miro, warum er ihm, dass erst jetzt erzähle. Dieser fing an zu lachen und antwortete, das er ihm das selbst, vor einer Stunde erzählt hatte.

So kam es, dass Mischa und ich, die Bar verließen und er mich, gegen meine Zustimmung, mit zu sich nach Hause nahm. Während ich, dass so lese, komme ich mir selbst bescheuert vor. Da folge ich dem Typen, wie ein dressierte Pudel. Wo blieb mein Kampfgeist? Ja, das war schon ein schwacher Moment oder eher, eine Kette an schwachen Momenten. Aber zurück zur Geschichte. Wir kamen bei ihm zu Hause an, was bei allem Respekt, einem Schlachtfeld glich. Chaos wurde hier groß geschrieben. Er schien sich, aber darin perfekt orientieren zu können, so wechselte er die Jacke, durch ein Jackett aus und die Chucks, durch abwetzte Anzugschuhe. Mir gab er ein blaues Jackett. Mein hellblaues Hemd und meine braunen Schuhe, schienen die Bedingungen zu erfüllen. Er ging derweil, zum Kühlschrank und kam mit einer Flasche zurück. In ihr befand sich eine rotfarbige Flüssigkeit. Begeistert hielt er sie hoch und erzählte mir nuschelnd, dass es sich, um Selbstgebrannten von seinem Opa handelte. Sein Opa, Luca, bastelte an Mercedesse rum, wenn er nicht gerade Alkohol zusammenbraue. Ein wirklich sympathischer typ, sein Opa. Ich lehnte ab, doch Mischa überhörte Das stur. Er brachte zwei Gläser und füllte sie. Ich trank, mit innerlichem Protest, mit ihm. Gott hat das übel geschmeckt. Ich weiß noch, dass es gebrannt hat, wie heiße Kohle. Ich konnte nicht anderes, als zu husten. Mischa lachte. Er trank, das Gesöff, als wäre es ein angenehmer Kakao. Während ich um meinen Rachen und meine Leber rang, besorgte er die Wagenschlüssel und ging zur Tür. Ich sah ihn entgeistert an und fragte, was er mit dem Schlüssel vorhabe. Er antwortete spitz, das sie zum Hintern abwischen, schon mal ungeeignet seien. Wir sollten uns beeilen, da sein Onkel Hugo böse werde, wenn man ihn zu lange warten ließe. Was dann passierte, beschämt mich bis heute. Bitte tun Sie nie, ich wiederhole nie, was ich tat. Sollten Sie, jemals in meiner Situation sein, fordern Sie den Fahrer auf, um seiner Selbst Willen, den Schlüssel beiseite zu legen und steigen Sie nie, ich wiederhole – nie, ins Fahrzeug zu einem trunkenen Fahrer. Was tat ich also? Ich stieg zu Mischa ins Auto. Einem alten Alfa Romeo, der seine besten Jahre, schon hinter sich hatte. Zu meinen Füßen lagen etliche leere Bierdosen und Spirituosenflaschen. Hier drinnen, mussten schon einige „Partys“ stattgefunden haben. Mischa setzte, das „Batmobil“ – wie ich es taufte – unter Bewegung und wir fuhren los. Wie beschreibe ich seinen Fahrstil am besten? Hm? Für alle, für die der Film „Blues Brothers“ ein Begriff ist, ihr könnt seinen Fahrstill mit dem von Elwood, während einer Verfolgungsjagd, gleichsetzten. Für alle Anderen; stellen Sie sich einen blinden Adrenalinjunkie vor, der nur zum Spaß eine Verfolgungsjagd mit seinem eigenen Schatten einlegt.

Ich bangte, um mein Leben. Aus dreißiger Zonen wurden neunziger. Aus Stop-Schilder, Go-Schilder. Aus Fußgängerzonen, Rennbahnen. Und Kurven, zu Drifteinlagen. Er verwandelte elegant, einen alten Alfa Romeo Spider zu einem Formeleins Rennwagen. Ein Kunststück, das nicht viele beherrschten. So gelangten wir, binnen kürzester Zeit, an einem großen Lokal.

Der Parkplatz war voller teurer europäischer Autos, vorwiegend Mercedes und BMW. Und das, obwohl die Gegend drum herum, absolut ärmlich aussah. Einige Männer standen draußen im Anzug und rauchten und tranken.

Mischa parkte das Auto diagonal auf gleich zwei Stellplätze und sprang heraus. Er lief schnurstracks in die Arme eines, etwa gleichaltrigen Mannes, mit kurzen braunen Haare. Ich beobachtete, die beiden beim Lachen und Plaudern. Plötzlich deutete Mischa mit der Hand in meine Richtung und beide kamen zum Wagen gelaufen. Ich wusste, ich musste das Auto verlassen, also stieß ich vorher ein kurzes Gebet aus. Ich stieg aus und beide machten vor mir halt. Mischa stellte mich Marco, als Tom vor. Der heldenhafte Mann, der mit ihm Natal verprügelte. Marco stellte sich vor und nahm mich herzlich auf. Jeder der Mischa helfe, den kleinen Nachbars Jungen zu verprügeln, sei ein Freund. Ich war verstört und gleichzeitig dankbar gewesen, keinen elfjährigen aufgemischt zu haben. Zu Dritt betraten wir das Lokal. Mein Gott, war es voll gewesen. Ich hatte keine Ahnung, dass man so viele Verwandte haben kann. In Italien hatte ich ja schon ähnliches gesehen, aber das hier war eine andere Liga. Ich lernte alleine zwölf Cousinen, sieben Onkels, sechs Tanten, mehrere Freunde der Familien und neun Cousins kennen, wovon alleine vier, auf den Namen „Marco“ hörten. Ich schüttelte mehr Hände, als der Präsident bei einem Empfang. Kroatische Worte und lautes Lachen, hallten um meine Ohren. Im Hintergrund sangen Menschen kroatische Volkslieder und tanzten auf den Tischen. Ich sah Mischa an und meinte, dass die Hochzeit sicherlich der Wahnsinn war. Mischa entgegnete darauf, dass die Hochzeit heute noch gar nicht stattfinden würde. Es sei lediglich ein Fest, um das freudige Ereignis gebührend zu feiern. Eine Art familiäres Vorglühen. Bevor ich eine Antwort, darauf wusste, drückte mir einer der Marcos, einen Drink in die Hand. Von dem Moment an, sorgte immer ein Verwandter, dass mein Glas nie leer blieb. Sie füllten mich taktisch ab, wie eine Weihnachtsgans und eher ich mich versah, tanzte ich mit ihnen auf dem Tisch und sang kroatische Lieder. Man lernt die Refrains, mit etwas Übung und genügend Alkohol, ziemlich schnell, wie ich feststellen musste. Wir aßen gemeinsam und ich lauschte Geschichten über den Krieg gegen die Serben. Mischa hatte, anscheinend, viele Onkels, die leibhaftig, in den Kampf gezogen waren und Freunde verloren hatten. Ihr Haus wurde teilweise gesprengt. Danach erzählte sein Onkel Kolja, ein breiter und wuchtiger Mann, von seinem blühenden Handel mit Autos, seit er aus dem Gefängnis raus ist. Mischa wandte sich an Marco Nummer eins und bat ihn für mich ein Reisepass anzufertigen. Ich lachte bei der Idee, weil ich es für einen Witz hielt. Doch Marco stimmte zu und sagte, dass es ein Klacks sei und nach ein Paar Anrufen, morgen Früh ein Reisepass mit dem Namen „Tom Lee Baker“, bereit läge.

Ich offenbarte ihnen meinen Namen, als Fable meiner Eltern für US-amerikanische Filme und Bruce Lee. Sie nahmen diese Erklärung lachend an. Ich lernte auch kurzer Zeit später Mischas Onkel Hugo kennen. Einen angsteinflößenden Mann mit einem guten Herzen. Er hörte von meiner Situation und gab mir, als Zeichen seines guten Willens, ein Zettel mit einer Adresse. Er meinte, dass ein guter Freund von ihm morgen nach Athen fahren würde und ich kostenlos mit durfte. Dankend und nuschelnd nahm ich das Angebot an, ohne darüber nachzudenken mehrere Stunden mit einem Fremden verbringen zu müssen. Danach lernte ich Mischas Cousine „Candy“ kennen. Alle nannten sie so, wegen ihrer verspielten und aufgesetzten Art und ehm, nun ja, wegen ihres Berufes. Sie war Tänzerin und dem entsprechend gebaut und gekleidet. Sie umarmte mich heftig und gestand mir, dass Männer, wie ich genau ihr Typ sei. Marco versicherte mir, dass eine Nacht mit Candy, gefolgt sei von gebrochenen Knochen und einem Rohr im aller Wertesten. Dinge auf die ich gut verzichten konnte. Ich suchte Mischa eine Weile und verblieb dann mit einem Onkel von ihm beim Buffet. Nach kurzer Zeit kam Mischa mit Blut auf seinem Hemd zurück. Auf die Frage, wie es dazu kam. Wusste er keine Antwort und lachte.

Wir tranken und feierten bis in die früheren Morgenstunden. Und mir ging nur eine Sache, durch den Kopf. Was hatte ich für großartige und großzügige Menschen kennengelernt. Sie nahmen mich mit offenen Armen und vollen Gläsern auf und behandelten mich, als wäre ich schon immer da gewesen. Die Kroaten sind ein herzliches, starkes, religiöses und unheimlich tüchtiges Volk und ich denke noch heute, an diese wilde Pre-Hochzeitsfeier lächelnd zurück. Mischa und ich sehen uns noch ab und zu. Er verzieh mir, dass ich Amerikaner bin und gestand, dass er Amerikanerinnen, eh besser fände, als Spanierinnen. Die Hochzeit, seiner Cousine Laima, besuchte ich selbstverständlich und auch diese ließ mich nicht gerade laufen. Zurück zur Geschichte.

Etwa gegen vier Uhr Morgens wurden Mischa und ich von Marco Nummer drei, nachhause gefahren. Er war nüchtern geblieben, wohl gemerkt. Bei Mischa angekommen, rangen wir, wer als erstes ins Bad darf, um seinen Magen zu entleeren. Ich gewann, da Mischas Magen sich für den Fußboden entschied. Ich reinigte noch den Flur, während Mischa sich mit Klamotten auf dem Boden schlafen legte. Meinen geschundenen Körper, scherte ich noch zur Couch und fiel in einen komatösen Schlaf. Am nächsten Morgen fühlte sich mein Kopf an, wie eine gepresste Zitrone. Jede Körperbewirkung, ließ mich die Mahlzeiten Revue passieren und mich fast wieder auf würgen. Also genau wie in Pamplona. Mischa dagegen, wirkte wie ein Neugeborenes. Er jammerte zwar etwas, schien aber körperlich absolut gesund. Ein beeindruckendes, wie auch erschreckendes Phänomen. Zusammen frühstückten wir kurz was da war - Brot, Bier und Butter – und fuhren los. Er fuhr nüchterner, nicht viel anders, als betrunken. So war auch die heile Ankunft am Treffpunkt, wieder eine großzügige Geste Gottes. Marco Nummer Eins und ein älterer Mann in braunen Klamotten standen dort. Marco lachte bei unserem erbärmlichen Anblick und händigte mir meinen neuen Pass aus. Es war ein Deutscher. Er meinte mit einem deutschen Pass, komm ich leichter herum. Ich lernte den LKW Fahrer, Georgio, kennen und wir verabschiedeten uns alle von einander.

Georgio und ich betraten gemeinsam den weißen Sattelschlepper und fuhren los. Georgio sprach nicht viel Englisch, aber es reichte aus, um sich zu verständigen. Während wir Kroatien in Richtung Bosnien verließen, betrachtete ich noch einmal die herrliche Landschaft und dankte, dem Herren, dass er mich nicht in Stich gelassen hatte.

 

0