Romane

"Die Unschuld aus Forest Gump, die Neugier aus Slumdog Millionär und die Liebe aus Notebook, gemixt mit der Action aus einem Blockbuster." - Anonymer Leser

 
"Dank der vorherigen Arbeit des Schriftstellers als Drehbuchautor, fühlt man sich gleich wie in einem Hollywood Film."
- Anonyme Leserin

Kurzfassung: Die Geschichte über das dramatische Aufwachsen eines Jungen in den Favelas Rio, seine Flucht in die Freiheit und die damit verbundenen Opfer.

 

Langfassung: Die Geschichte fängt an mit ihrem Ende. Wir sehen wie der achtzehnjährige Brasilianer Rodrigo Da Silva in verwahrlosten Klamotten eine US-amerikanische Mall betritt und sich zu einem kleinen Orchester hinbewegt. Der Flügel zieht ihn in seinem Bann. Rodrigo wird angeboten, daran zu spielen. Zögerlich und mit tiefer Furcht, wagt er sich an das Instrument und versagt, die ersten Male. Die Pianistin, Sarah, gibt ihn nicht auf und motiviert ihn weiter zu machen. Was nun folgt ist die Erzählung seiner Vergangenheit. Angefangen bei seinem sechsten Lebensjahr, wo er Zeuge vom Tod seines Vaters wird. Ein prägender Moment seines Lebens. In den darauf folgenden Jahren, verliert er auch noch seine Mutter und seine Schwester und lebt fortan, als Waise. Während seines Aufwachsens, begegnet Rodrigo bei einem Raubüberfall einen Mann namens Flavio, der ihm das Flügelspielen beibringt. Darin findet Rodrigo seine wahre Bestimmung. Unzählige Ereignisse drehen sein Leben auf den Kopf, doch der Flügel bleibt eine Konstante für ihn. Ebenso wie seine Liebe für Anastasia. Eine Liebe, die mehr Opfer verlangt, als er je erwartet hätte. Am Ende der Geschichte landet er in der Mall und raubt die Aufmerksamkeit aller Gäste. Und das an einem Black Friday. Darüberhinaus erteilt er ihnen eine Lektion in Sachen Familie und Freunde.

 

Besondere Anerkennung:

Diese Geschichte ist eine Widmung für Thomas Schreier.

Er ist die Inspiration und Motivation dieser Geschichte.

Jedes einzelne Wort trägt dich in ihm.

Danke für alles.

Wir werden dich nie vergessen.

 

Kapitel 1: Es war einmal...

Ein orangener Schimmer legte sich über die weltbekannte brasilianische Stadt Rio.  Ein Paradies aus tropischer Fauna, eleganten Gebäuden, schönen Menschen und rhythmischer Musik. 

Ein Ort der Freude, doch mitten im Getümmel befand sich ein einsamer Junge. Man nannte ihn Rodrigo da Silva. Ein einfacher Knabe der Favelas. Kaum Älter als zehn Jahre und doch war sein Gesicht mit Hunger, Leid und Elend gezeichnet. Wie in Trance saß er auf einer kniehohen Mauer, mitten in der Copacabana, und stierte in die Luft. Langsam kam er aus der Tiefe seiner Erinnerungen in die Gegenwart zurück. Mit leicht benommenem Blick schaute er auf den Strand und das Meer hinaus. Die Sehnsucht nach einer anderen Welt, einem anderen Leben packte und erfüllte ihn. Wie sehr wünschte er sich sein elendiges Dasein zu verlassen und draußen in der weiten Welt sein Glück erneut zu versuchen. Irgendwo wo man ihn nicht als Bettler und Taugenichts brandmarkte.

Er öffnete den Mund ein wenig. Dann leckte seine Zungenspitze sacht die Träne fort, die ihm über das Gesicht auf die Lippe gelaufen war. Er schmeckte ihr Salz in seinem Mund und nahm erst jetzt wahr, dass er wohl mehr als nur eine Träne vergossen hatte. Sie waren über sein Gesicht gelaufen, ohne dass er es bemerkt hätte. Er wischte sein Gesicht mit dem unteren Rand seines verschmutzten T-Shirts trocken und dachte darüber nach, was er denn nun tun solle, nachdem er langsam wieder in der Gegenwart zurückgekehrt war. Seine Gedanken und seine Gefühle vermischten sich zu einem schwer zu ordnenden Wust – zu einem beinahe undurchdringlichen Dschungel, in dem er gefangen war.

›… wie soll es denn nur weitergehen? Wie kann ich meine Maē entlasten? Habe ich eine Chance, wenigstens ein wenig mehr zu verdienen als die paar Real die ich mit nach Hause bringe? Wie lange werden wir noch in dem winzigen Häuschen, in dem wir wohnen, bleiben können? ...‹ 

Zwar war die Miete gering – aber gemessen an der Wucht der Probleme, die ihm in diesem Moment wieder qualvoll bewusst wurden, war es eine schier untragbare Last, die auf seinen Schultern lastete. 

Sein Herz schmerzte. Ein Schmerz, der seine Glieder taub werden ließ und ihn wieder die Tränen in die Augen stieß. Mit seinem Handrücken wischte sich der Junge, die letzten Tränen aus dem Gesicht und stieg von der Mauer. Ein letzter Blick auf die Weiten des Ozeans und Rodrigo wurde ein Teil der Mengen, die sich durch die Straßen Rio’s kämpften. Mitten im bunten Gedränge kam ein kleiner Junge mit hell grünen Augen und zerlumpten Klamotten auf Barfuß zu ihm gerannt. Sein Name war Raoul. Zwei Jahre jünger als Rodrigo. Ein Altersunterschied, den er mit Wortwitz, Erfahrung und hartem Willen wettmachte. Ein Junge so loyal wie seine Ambition, sich zu einem respektierten Mann zu machen.

Mit großen Augen und leicht aus dem Atem, machte er vor seinem Freund halt, und packte ihn am Arm.

»Komm ... komm mit ... ich hab uns den Auftrag an Land gezogen«, verkündete Raoul stolz und nach Luft hechelnd. Rodrigo blickte ihn verdutzt an, doch bevor er sich dazu äußern konnte, zog Raoul ihn durch die Menge hindurch.  Raoul kannte die Massen in Rio und verstand es sich perfekt durch den wüsten Verkehr und die zahlreichen Menschen zu bewegen, ohne großes Aufsehen zu erregen. Eine seltene und erforderliche Kunst, wenn man sonst mit dem Bestehlen von Touristen beschäftigt war. Ein Geschäft das so brummte, wie es auch gefährlich war. Weniger wegen dem Auge des Gesetztes, als mehr durch die Konkurrenz der einzelnen Banden untereinander. Doch es wäre nicht Raoul, wenn er keinen Plan B parat hätte. 

»Wo bringt du mich hin, Junge?«, brachte Rodrigo ungeduldig hervor.

»Beruhig dich, Mann. Du kannst mir gleich die Füße küssen«, entgegnete Raoul während er ihn durch die Menge zog. 

Beide machten Halt vor einem riesigen Hotel.

»Das Marriott? Was wollen wir hier?«, kam es aus Rodrigo, während sein Blick die weiße Fassade, des Luxus Hotels hinauf wanderte.

»Du stellst mehr Fragen, als die Polizei. Tu mir nur einmal den Gefallen und spiel stummer, dankbarer Kollege«, zischte Raoul und ließ seinen Blick ungeduldig über die Mengen der Gäste fahren, die sich vor dem Hoteleingang tummelten. Mitten im Gedränge kam eine wunderschöne Frau auf sie zu. Sie wird um die achtzehn gewesen sein und hörte auf den Namen Esmeralda. Eigentlich hieß sie Carla, doch so wollte sie nicht genannt werden. Der Name erinnerte sie immer an ihre Familie, die sie misshandelte und ihr eintrichterte nicht mehr Wert zu sein, als der Dreck auf dem Bordstein. Ein Mädchen für ein paar vergnügliche Minuten, nicht mehr. So war es kein Wunder, dass Esmeralda im unschuldigen Alter von vierzehn Jahren ihr Haus und Heim verließ und sich ein eigenes Leben aufbaute. Ein Unterfangen, dass sie Raoul kennenlernen ließ. Wann immer zwei strebsame Seelen ihren Weg kreuzen, entstehen Momente mit Bedeutung. Momente wie Dieser.

»Wo wart ihr, verdammt nochmal? Raoul, ich hatte dir gesagt um viertel vor da zu sein, nicht viertel nach«, fauchte sie in ihrer Hausmädchen-uniform. 

»Was ein Pech, dass du das zu Jemanden gesagt hast, der Uhrzeiten so gut lesen kann, wie du meine Zukunft«, konterte Raoul frech.

»Oho, ich kann deine Zukunft lesen, und die sieht nicht besonders rosig aus, wenn eure Ärsche nicht in fünf Minuten oben sind«, entgegnete Esmeralda kühl und zerrte Raoul und Rodrigo hinter sich her. 

Gemeinsam drängten sie sich durch die Menschenmassen, weiter durch den Eingang, bis sie mitten in der ansehnlichen Eingangshalle halt machten und Esmeralda, das Gespräch mit einem Junior Manager suchte.

Mit großen Augen betrachteten die Jungs, die hellen Kronleuchter, die schwer von der Decke hangen und den cremefarbenen Raum ein majestätisches Antlitz gaben. Rodrigo ließ seinen Blick, den kompletten Saal durchwandern. Er betrachtete die Bunten Blumen, die edlen Lounge-couches, den schimmernden karogemusterten Boden und die eleganten Säulen, die den Raum in zwei Stockwerke einteilen, dann blickte er auf Raoul und Esmeralda, die nun gemeinsam mit dem Mann in Weste sprachen.

Ich kann ihnen nicht sagen, wie dankbar ich Gott war, dass er mir, diese Leuchttürme schenkte. Wie verloren, ich doch ohne sie war, wurde mir viel zu spät bewusst.

Raoul kam auf Rodrigo zu gelaufen mit einem verschmitzten Grinsen, das nur eine gute Nachricht, und nichts als eine gute Nachricht, beherbergen konnte. 

»Wie gesagt, wenn du heute ein paar Fußküsse los werden wolltest, ist jetzt der Moment gekommen«, erzählte der freche Brasilianer mit offenen Armen, und keine fünf Minuten später befanden sich die Drei in einer Suite und putzten den Raum. Alle in Uniform und alle tüchtig. Esmeralda putzte den Schrank, als plötzlich ein edles, schwarzes Abendkleid, ihre Aufmerksamkeit erlangte und sie von ihrer Arbeit abbrachte. Mit großer Vorsicht und sehr zögerlich, griff sie nach dem Kleid und hielt es vor sich mit Blick in einen großen Ankleidungsspiegel. Für einen Moment schien sie wie verzaubert, als sehe sie einen anderen Menschen, doch erinnerten sie, die Narben auf ihrem Vorderarm an ihrer Realität und Esmeralda packte das Kleid weg und putzte weiter. Raoul ließ hier und da, ein paar Gegenstände wie Seife, Shampoo und Tücher verschwinden. Gegenstände, die seiner Hygiene, als auch seinem Portmonee einen großen Gefallen taten. 

Rodrigo derweil blickte durch den luxuriösen  und aufwändig dekorierten Raum. Mit leichten Schritten bewegte er sich zu einem Sessel und nahm bedächtig Platz. Ein langer und stiller Atemzug und Rodrigo sah sich selbst, vor seinem geistigen Augen, als erwachsener Mann mit seiner Frau, durch den Raum wandern und liebkosend, einander schmeicheln und verehren. Sein Herz brannte bei dieser lieblichen und doch fernen Versuchung. 

Raoul blickte ihn an und sein Gesicht erstarrte für einige Momente in einer tiefen Trauer. Ihm war der Wunsch nach einem besseren Leben bekannt, doch war ihm die traurige Realität und ihre Unumgänglichkeit mehr bekannt.

»Rod, lass uns weitermachen, ja?«, brachte er zögerlich hervor. Rodrigo nickte ihm stumm zu und beide machten sich wieder an die Arbeit. 

Wenige Stunden, und einige Zimmer später, fanden sich beide auf eine Mauer wieder. Die Füße im kühlen Wind strampelnd und ein frisches Eis in ihrer Hand. Diesmal ehrlich bezahlt mit den Reais, die sie sich heute verdient hatten.

Rodrigo nahm sein Eis kaum wahr, währen Raoul seines  fast schon barbarisch verschlang.

»Warum leben wir, Rafa?«, kam es nun aus Rodrigo mit Blick zum Ozean.

Raoul unterbrach für einen Moment seine Heißhungerattacke und blickte verwirrt auf seinen Kumpanen. Ein leichtes Schmunzeln trat in seinem jungen Gesicht auf.

»Was ist das für eine dumme Frage? Wir leben weil, dass Teil in uns noch genug Batterie hat«, entgegnete Raoul frech und klopfte mit seiner Linken auf seine Brust.

Rodrigo blickte ihn unbeeindruckt an.

»Du weißt was ich meine«, konterte Rodrigo harsch und blickte wieder zum Meer. »Ich meine, warum leben wir? Welchen Nutzen hat die Welt von uns Bettlern?«

Raoul wurde für einen kurzen Augenblick demütig, als ihn seine Schlagfertigkeit wieder ergriff. 

»Nun ja. Irgendjemand muss auf der Straße leben, damit Andere im Haus wohnen können. Wenn zwei spielen, muss einer verlieren damit einer gewinnen kann«, erklärte Raoul und wandte sich zum Zentrum von Rio um, wo traumhaft schöne Gebäude ragten. »Also, gern Geschehen Ladies und Gentlemen. Falls ihr euch bei mir bedanken wollt, hätte ich nichts gegen einer kleinen Spende, wie einer Villa, einem Sportwagen und einem hübschen Mädchen.«

Lächelnd wandte sich Raoul wieder seinem halbgeschmolzenen Eis zu und leckte weiter.

Rodrigo hingegen schien weniger optimistisch. Er ignorierte das Eis und blickte wieder auf die weiten des Ozeans. 

Der Dämmerung brach an und Rodrigo kehrte mit seiner Einkaufstüte Heim. Eine Reise die ihn durch ein Facettenreiches Rio führte und ihn spüren ließ welchen Platz er in der Nahrungskette einnahm. Ein Weg durch das reiche und noble Viertel Leblon im Westen Rios, weiter über Bergland bis hin zum Armenviertel „Rocinha“.  Alles verändert sich auf den Weg nach Hause. Straßen wurden schmutziger, Leute ungepflegter und die Häuser kleiner und kleiner und kleiner. Das einzige das sich nicht änderte war die Musik. Sie war wie ein alter Bekannter, der stets überall zu Gast war. Niemals zu spät und immer erfüllend.

Rodrigo’s Gesicht spiegelte eine bunte Mischung aus Gefühlen wieder. Sein Lächeln suggerierte die Freude seine alt bekannte Favela zu sehen. Ein Anblick der so bekannt war wie der Mond und die Sonne. Seine Augen jedoch schienen die Lage anderes zu sehen. Sie wirkten tieftraurig, beinah trauend. Als würde man ihn stets aus einem lieblichen Traum wecken und ihn alleine in der Dunkelheit verharren lassen.  Hier und da holten ihn einige bekannte Gesichter aus der Dunkelheit zurück. Seien es Leute, die ihn öfters als Anhalter mitnahmen nach Hause oder die Menschen, die man zur selben Zeit immer an denselben Orten antraf. Wie ein perfekt getrimmtes Uhrwerk, an dem der Zeiger zur selben Zeit stets dieselbe Stelle erreicht.

Als der Junge seine, aus Wellblech und brösligen Stein erbaute Wohnung antraf, war der späte Abend schon über Rio angebrochen. Ein Phänomen, das ihm nur gut bekannt zu sein schien. So ließ es seine ruhige Art vermuten. Gemächlich öffnete er das Tor, grüßte die Nachbarn und betrat das Haus, durch die alte Holztür. Es war eine kleine Behausung. Nicht mehr als zwei Zimmer. Seine Schwester Clara und er schliefen auf einer Matratze neben dem Tisch. Die Matratze auf der auch jetzt die kleine fünfjährige mit ihren Puppen spielte. Rodrigo kniete sich zu ihr runter und küsste ihre Stirn im Austausch gegen ein herzerwärmendes Lächeln. Dann sah er zum zweiten Raum. Einem schönen und einladenden  Schlafzimmer. Sie gaben ihrer Mutter das Bett aufgrund ihrer starken Rückenschmerzen. Die Ärzte nannten dafür einen Begriff, der selbst für die wenigen Brasilianer die hier lesen konnten,  kaum aus zu sprechen wäre. Schlussendlich handelte es sich, um eine Reizung der Nerven in der Wirbelsäule. Ein Schmerz, der in der Lendenwirbelsäule anfing und bis zu den Beinen runter wucherte. Sie hinkte oft und musste bei jeglichen längeren Wegen Pausen machen. Auch konnte sie ihre Arbeit in der Näherei nicht mehr wahrnehmen. Das viele Sitzen entwickelte sich vom Vorteil zum Nachteil. Ein schmerzverzerrter und unlösbarer Nachteil, der Rodrigo zu einer großen Last wurde. Nun musste er das Geld für Essen, Miete und Medikamente ranschaffen. Eine Not, die verlangte den Schlaf auf ein Minimum runter zu schrauben und jeden Job anzunehmen, der sich anbot. Sei es den Dreck in der Küche wegzuwischen, Botengänge zu machen, sich zum spaß der Erwachsenen zu prügeln, Autos zu reinigen oder wie Heute; Zimmer zu putzen. Rodrigo saß sich kurz hin und starrte Clara an.

Es war schon eigenartig. Egal wie schlimm ein Tag war oder hätte sein können. Ein Blick auf Clara ließ mich alles vergessen und Freude in mir aufsteigen wie ein Luftballon am Horizont. Ich wünschte nur ich hätte, die Chance gehabt ihr das zu erzählen. Mich zu bedanken wie viele schreckliche Abende und Tage sie mit nur einem Lächeln kuriert hat. Diese Erkenntnis war und ist mir eine Lektion fürs Leben, das alles seine Vergänglichkeit hat und Verzögerung nicht tugendhafter ist als gezückter Stolz.

Das kleine Mädchen grinste ihn kurz an und wandte sich verspielt wieder weiter ihren Puppen zu. Rodrigo versuchte ein Lächeln aufzubringen, doch gelang es ihm heute nicht. Enttäuscht lehnte er sich an die Wand, legte seine Stirn in Falten und schmunzelte leicht, als sehe er die Banalität in seiner Lage.

»Rodrigo, bist du es?«, kam es aus dem Schlafzimmer.

»Ja«, erwiderte der Junge, stand zügig auf und legte seine Tüte neben den Herd ab. Mit eiligen Schritten betrat er das Schlafzimmer und erschrak bei dem Anblick seiner Mutter, die hilflos auf dem Boden  hockte und versuchte sich mit ihren dürren Armen aufzustemmen.

»Könntest du mir bitte helfen?«, sprach sie mit warmer Stimme und einem Lächeln. Ein Lächeln, das nicht vermochte den Schmerz und die Scham dahinter zu verbergen.  

Rodrigo bemühte sich ihr aufzuhelfen und war gerade dabei sie auf das Bett zu hieven, als sie plötzlich begann mit:

»Nein, Nein. Die Küche, mein Sohn.«

Rodrigo änderte seinen Kurs und half ihr  mit fürsorglicher Stellung unter ihrem linken Arm in die Küche zu gelangen

»Du bist so ein guter Junge«, flüsterte sie mehrere Male hintereinander bis sie an den kleinen, wüsten Herd ankamen. 

»Danke, ab hier geht es«, kam es aus ihr mit einer liebevollen Miene und der Junge nahm Platz neben seiner Schwester.

»Jetzt mach ich euch erst mal was leckeres«, jubelte sie und fing an die Zutaten aus der Tüte zu packen. 

Rodrigo versuchte sich abzulenken, in dem er Clara und den Puppen seine Aufmerksamkeit schenkte, doch misslang ihm dies, aufgrund der kräftigen Hustenattacke, die seine Mutter plagte und ihm die Sorge in das Gesicht schrieb. 

 
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